
Zuletzt aktualisiert: 17. April 2026
Quick Answer: Das Klausentreiben (Allgäu) ist ein jahrhundertealtes Brauchtum, das jedes Jahr rund um den 5. und 6. Dezember in zahlreichen Gemeinden des Allgäus stattfindet. Dabei ziehen furchteinflößend maskierte Gestalten, die sogenannten Klausen, durch die Dörfer, um böse Geister zu vertreiben und das neue Jahr willkommen zu heißen. Der Brauch gehört zu den lebendigsten und beeindruckendsten Wintertraditionen im deutschsprachigen Alpenraum.
Key Takeaways 🎭
- Termin: Das Klausentreiben findet traditionell am Abend des 5. Dezember (Nikolausvorabend) und teils auch am 6. Dezember statt.
- Ursprung: Die Tradition wurzelt in vorchristlichen alpinen Brauchtümern zur Wintersonnenwende und wurde später mit dem Nikolausfest verknüpft.
- Ort: Besonders bekannte Klausentreiben gibt es in Gemeinden wie Oberstdorf, Sonthofen, Immenstadt und weiteren Allgäuer Ortschaften.
- Kostüme: Die Teilnehmer tragen aufwendig handgefertigte Holzmasken und Fellkostüme, die teils Jahrzehnte alt sind.
- Funktion: Das Treiben soll böse Geister (den „Wilden Mann“) vertreiben und Schutz für Mensch und Tier im Winter bringen.
- Gemeinschaft: Das Klausentreiben ist tief in der lokalen Dorfgemeinschaft verwurzelt – Masken und Kostüme werden oft in Familien weitervererbt.
- Besucherfreundlich: Besucher sind herzlich willkommen; die Veranstaltungen sind in der Regel kostenlos zugänglich.
- Anreise: Das Allgäu ist per Bahn, Auto und Bus gut erreichbar; Parkplätze sind an Veranstaltungsabenden begrenzt.
- Kontakt: Die jeweiligen Gemeinde- und Tourismusbüros geben aktuelle Informationen zu Terminen und Treffpunkten.
Was ist das Klausentreiben (Allgäu) überhaupt?
Das Klausentreiben (Allgäu) ist ein lebendiges Volksbrauchtum, bei dem verkleidete Gestalten – die Klausen – lautstark durch die Straßen der Dörfer ziehen. Sie tragen imposante, oft handgeschnitzte Holzmasken, schwere Fellkostüme und Kuhglocken, die sie beim Laufen kräftig läuten lassen.
Der Name „Klaus“ leitet sich vom Heiligen Nikolaus ab. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich daraus eine eigenständige Tradition entwickelt, die weit über den religiösen Ursprung hinausgeht. Die Klausen verkörpern heute sowohl den gütigen Nikolaus als auch seinen furchterregenden Begleiter – eine Mischung aus Beschützer und Schreckensfigur.
Was die Klausen so besonders macht:
- Jede Maske ist ein Unikat, oft in wochenlanger Handarbeit aus Lindenholz geschnitzt.
- Die Kostüme können bis zu 30 Kilogramm wiegen.
- Das laute Läuten der Glocken soll böse Geister buchstäblich „wegtreiben“.
- Kinder und Erwachsene gleichermaßen erleben das Treiben mit einem Schauer der Ehrfurcht.
„Das Klausentreiben ist kein Theater – es ist gelebte Gemeinschaft, die sich jedes Jahr neu erfindet und doch immer gleich bleibt.“
Woher kommt die Tradition des Klausentreibens?
Die Wurzeln des Klausentreibens reichen tief in die vorchristliche Zeit zurück. Schon lange vor der Christianisierung kannten die Alpenbewohner Winterbräuche, bei denen maskierte Figuren durch die Dörfer zogen, um die dunkle Jahreszeit zu überwinden und böse Mächte zu vertreiben.
Mit der Verbreitung des Christentums wurden diese heidnischen Elemente mit dem Fest des Heiligen Nikolaus (6. Dezember) verknüpft. Der Bischof von Myra, der im 4. Jahrhundert lebte, wurde zur zentralen Figur des Brauchs – und seine Begleiter, die Klausen oder Krampusse, übernahmen die Rolle der bedrohlichen Winterdämonen.
Die historische Entwicklung im Überblick:
| Epoche | Entwicklung |
|---|---|
| Vorchristliche Zeit | Maskenbräuche zur Wintersonnenwende in den Alpen |
| 4.–8. Jahrhundert | Verknüpfung mit dem Nikolausfest durch die Kirche |
| Mittelalter | Etablierung fester Umzugstraditionen in Dörfern |
| 18.–19. Jahrhundert | Regionalisierung und Ausbildung lokaler Maskenstile |
| 20.–21. Jahrhundert | Pflege als immaterielles Kulturerbe, touristisches Interesse |
Im Allgäu hat sich das Klausentreiben besonders stark erhalten, weil die abgelegenen Bergdörfer über Jahrhunderte eine starke Eigenidentität bewahrt haben. Viele Familien überliefern Masken und Kostüme von Generation zu Generation.
Seit wann gibt es das Klausentreiben (Allgäu) in seiner heutigen Form?
Schriftliche Belege für organisierte Klausenumzüge im Allgäu stammen aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit. In kirchlichen Aufzeichnungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert finden sich erste Hinweise auf Maskenbräuche rund um den Nikolaustag in der Region.
Die heutige Form des Klausentreibens – mit festgelegten Routen, organisierten Gruppen und dem Fokus auf handgefertigte Masken – hat sich vor allem im 19. Jahrhundert herausgebildet. Damals erlebte das Allgäu eine Welle der Besinnung auf regionale Identität und Volkskultur, die viele alte Bräuche neu belebte.
Heute wird das Klausentreiben in vielen Allgäuer Gemeinden von eigens gegründeten Vereinen und Interessengemeinschaften organisiert, die sich um die Pflege und Weitergabe des Brauchs kümmern. In manchen Orten gibt es Klausengruppen, die seit über 100 Jahren ununterbrochen aktiv sind.

Wann findet das Klausentreiben statt – und wo genau?
Das Klausentreiben findet traditionell am Abend des 5. Dezember statt, dem Vorabend des Nikolaustages. In einigen Gemeinden gibt es auch Veranstaltungen am 6. Dezember selbst oder an den umliegenden Wochenenden.
Wichtige Termine und Orte in 2026:
- 5. Dezember (Nikolausabend): Haupttermin in den meisten Allgäuer Gemeinden
- 6. Dezember: Ergänzende Umzüge in einzelnen Orten
- Erstes Dezemberwochenende: Manche Gemeinden verlegen den Termin auf das nächste Wochenende für bessere Besucherzahlen
Bekannte Veranstaltungsorte im Allgäu:
- Oberstdorf: Eines der bekanntesten und größten Klausentreiben der Region, mit langer Tradition und imposanten Maskengruppen.
- Sonthofen: Lebhaftes Treiben im Stadtzentrum mit vielen Besuchern.
- Immenstadt im Allgäu: Familienfreundliche Veranstaltung mit langer Ortsmitte-Tradition.
- Kempten (Allgäu): Größte Stadt der Region mit mehreren Klausengruppen.
- Oberstaufen: Kleines, aber sehr authentisches Klausentreiben mit lokalem Charakter.
- Weitnau, Wertach, Bolsterlang: Kleinere Gemeinden mit besonders ursprünglichen Umzügen.
Tipp: Die genauen Uhrzeiten und Treffpunkte variieren von Ort zu Ort. Schau unbedingt vorab auf der Website der jeweiligen Gemeinde oder beim lokalen Tourismusbüro nach – die Infos für 2026 werden meist ab Oktober veröffentlicht.
Wie läuft ein typisches Klausentreiben ab?
Ein Klausentreiben beginnt meist in der Abenddämmerung, wenn die Dunkelheit die Atmosphäre noch dramatischer macht. Die Klausengruppen – oft 10 bis 50 Personen pro Gruppe – sammeln sich an einem festgelegten Startpunkt und ziehen dann durch die Dorfstraßen.
Der typische Ablauf:
- Aufstellung der Gruppen am Startpunkt, oft am Ortsrand oder beim Dorfplatz
- Einzug ins Dorf bei Einbruch der Dunkelheit, begleitet von lautem Glockenläuten
- Umzug durch die Hauptstraßen mit Stops vor Häusern, Gasthäusern und dem Dorfplatz
- Interaktion mit Zuschauern – besonders Kinder werden von den Klausen „erschreckt“ (in freundlicher Absicht)
- Abschluss am Dorfplatz oder in einem Wirtshaus, oft mit Musik und Geselligkeit
Die Atmosphäre ist einzigartig: Das Dröhnen der Glocken, die flackernden Fackeln, die imposanten Masken und die Dunkelheit der Dezembernacht erzeugen ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.
Wer nimmt teil?
- Mitglieder lokaler Klausenvereine (meist Männer, aber zunehmend auch Frauen und Jugendliche)
- Familien, die die Tradition seit Generationen pflegen
- Neuzugezogene, die in die Gemeinschaft aufgenommen werden
Wie komme ich zum Klausentreiben (Allgäu)?
Das Allgäu ist aus ganz Deutschland und dem benachbarten Österreich und der Schweiz gut erreichbar. Da die Veranstaltungen abends stattfinden und Parkplätze in den kleinen Dörfern begrenzt sind, lohnt es sich, die Anreise gut zu planen.
Mit dem Zug:
- Von München: ca. 1,5–2 Stunden nach Kempten oder Oberstdorf (Direktverbindungen über die Allgäubahn)
- Von Stuttgart: ca. 2–2,5 Stunden nach Kempten
- Von Zürich: ca. 2 Stunden nach Oberstdorf via Lindau
- Regionalbusse verbinden die Bahnhöfe mit kleineren Gemeinden
Mit dem Auto:
- Über die A7 (Ulm–Kempten–Füssen) oder A96 (München–Lindau)
- Parken in Oberstdorf und anderen beliebten Orten kann am Veranstaltungsabend schwierig sein – frühzeitig anreisen oder Parkplätze am Ortsrand nutzen
Praktische Tipps für Besucher:
- Warme Kleidung ist Pflicht – Dezembernächte im Allgäu sind kalt!
- Komm mindestens 30–45 Minuten vor dem Start, um einen guten Platz zu finden.
- Kinder sollten auf den Lärm vorbereitet werden – die Glocken sind sehr laut.
- Viele Gasthäuser in der Umgebung bieten an Klausenabenden besondere Menüs an.
- Übernachtungen in der Region solltest du früh buchen, da die Hotels im Dezember gut ausgelastet sind.
Wie ist der Kontakt – wo bekomme ich aktuelle Informationen?
Für aktuelle Termine, genaue Treffpunkte und alle organisatorischen Details sind die lokalen Tourismusbüros und Gemeindeverwaltungen die besten Anlaufstellen.
Wichtige Kontaktadressen:
- Oberstdorf Tourismus: www.oberstdorf.de | Tel.: +49 8322 700-0
- Kempten Tourismus: www.kempten.de | Tel.: +49 831 2525-354
- Immenstadt Tourismus: www.immenstadt.de
- Oberallgäu Tourismus: www.oberallgaeu.info
- Allgäu GmbH (Dachorganisation): www.allgaeu.de
Social Media: Viele Klausenvereine und Gemeinden posten aktuelle Infos und Fotos auf Facebook und Instagram – suche nach dem Ortsnamen plus „Klausentreiben“ oder „Klausen“.
Tipp: Schreib den Tourismusbüros einfach eine kurze E-Mail oder ruf an – die Mitarbeiter freuen sich über dein Interesse und geben dir gerne alle Details für deinen Besuch.
Was macht das Klausentreiben (Allgäu) so besonders im Vergleich zu anderen Winterbräuchen?
Das Klausentreiben unterscheidet sich von anderen Nikolaus- und Winterbräuchen durch seine Intensität, seine Authentizität und seinen tiefen Gemeinschaftscharakter.
Vergleich mit ähnlichen Bräuchen:
| Brauch | Region | Besonderheit |
|---|---|---|
| Klausentreiben | Allgäu (Bayern) | Handgeschnitzte Holzmasken, Glockenläuten, Dorfumzüge |
| Krampuslauf | Österreich, Südtirol | Ähnliche Figuren, stärker kommerzialisiert |
| Perchtenlauf | Salzburg, Tirol | Größere Gruppen, mehr Show-Charakter |
| Nikolausumzug | Deutschlandweit | Meist religiöser Fokus, weniger furchteinflößend |
| Belsnickel | Pfalz, Pennsylvania | Ähnliche Figur, andere Tradition |
Was das Allgäuer Klausentreiben einzigartig macht, ist die Kombination aus handwerklicher Perfektion (die Masken sind echte Kunstwerke), echter Gemeinschaft (keine bezahlten Darsteller, sondern Nachbarn und Freunde) und der rauen, unverstellten Atmosphäre der Dezembernacht in den Bergen.
FAQ: Häufige Fragen zum Klausentreiben (Allgäu)
Ist das Klausentreiben für Kinder geeignet? Ja, aber mit Vorbereitung. Die Masken und der Lärm können kleine Kinder erschrecken. Ab etwa 6–7 Jahren erleben die meisten Kinder das Treiben als aufregend und unvergesslich. Bereite dein Kind vorab auf die lauten Glocken und die großen Masken vor.
Kostet der Eintritt etwas? Die meisten Klausentreiben im Allgäu sind kostenlos zugänglich. Du bezahlst nichts für das Zuschauen auf der Straße. Lediglich organisierte Sitzplätze oder Tribünen können in einzelnen Orten einen kleinen Beitrag kosten.
Darf ich fotografieren und filmen? In der Regel ja. Achte aber darauf, den Umzug nicht zu blockieren und respektiere die Wünsche der Teilnehmer. Manche Klausen lehnen Nahaufnahmen ab – frag im Zweifel kurz nach.
Wie lange dauert ein Klausentreiben? Ein typischer Umzug dauert zwischen 1,5 und 3 Stunden, je nach Größe des Ortes und der Anzahl der Gruppen. Danach klingt der Abend oft in den örtlichen Gasthäusern aus.
Kann ich selbst mitmachen? Wer in der Region wohnt oder bekannte vor Ort hat, kann sich bei lokalen Klausenvereinen erkundigen. Als Besucher von außerhalb ist eine direkte Teilnahme schwierig, da die Gruppen meist geschlossen sind und Kostüme persönlich angepasst werden müssen.
Was soll ich anziehen? Warme, wasserdichte Kleidung ist wichtig. Feste Schuhe für unebenes Pflaster, Handschuhe und eine Mütze sind Pflicht. Dezembernächte im Allgäu können sehr kalt und feucht sein.
Gibt es das Klausentreiben auch in anderen Teilen Bayerns? Ähnliche Bräuche gibt es in Teilen Oberbayerns und im angrenzenden Tirol, aber das Allgäu gilt als Hochburg dieser Tradition. Die Masken und der Ablauf unterscheiden sich regional.
Wo finde ich die aktuellen Termine für 2026? Die zuverlässigsten Quellen sind die Websites der lokalen Tourismusbüros (z.B. oberstdorf.de, allgaeu.de) sowie die Facebook-Seiten der jeweiligen Klausenvereine. Termine werden meist ab Oktober bekannt gegeben.
Ist das Klausentreiben ein UNESCO-Welterbe? Das Klausentreiben ist Teil des lebendigen immateriellen Kulturerbes Bayerns. Es ist in der Bayerischen Landesstelle für immaterielle Kulturerbe dokumentiert, aber nicht als UNESCO-Welterbe eingetragen (Stand 2026).
Gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Orten? Ja, durchaus. Jede Gemeinde hat ihre eigenen Traditionen, Maskenstile und Abläufe. Oberstdorf ist bekannt für besonders große und aufwendige Umzüge, während kleinere Orte wie Weitnau ein ursprünglicheres, intimeres Erlebnis bieten.
Fazit: Dein Besuch beim Klausentreiben (Allgäu) lohnt sich
Das Klausentreiben (Allgäu) ist weit mehr als ein folkloristisches Spektakel. Es ist ein lebendiges Stück Kulturgeschichte, das du hautnah erleben kannst – und das dich noch lange nach dem Abend beschäftigen wird.
Deine nächsten Schritte:
- Termin vormerken: Markiere den 5. Dezember 2026 in deinem Kalender.
- Ort wählen: Entscheide, ob du ein großes Klausentreiben (Oberstdorf, Sonthofen) oder ein kleineres, ursprünglicheres (Weitnau, Bolsterlang) erleben möchtest.
- Unterkunft buchen: Hotels und Pensionen im Allgäu sind im Dezember schnell ausgebucht – jetzt reservieren!
- Kontakt aufnehmen: Schreib dem lokalen Tourismusbüro für aktuelle Infos zu Startzeiten und Treffpunkten.
- Warm einpacken: Plane dein Outfit für einen kalten Dezemberabend im Freien.
- Offen sein: Lass die Atmosphäre auf dich wirken – das Klausentreiben entfaltet seine Wirkung am besten, wenn du dich darauf einlässt.
Das Allgäu empfängt dich mit offenen Armen – und die Klausen mit lautem Glockengeläut! 🎭🔔
Quellen
- Bayerische Landesstelle für immaterielle Kulturerbe: Klausentreiben im Allgäu. www.immaterielles-kulturerbe.bayern.de (2019)
- Oberstdorf Tourismus: Brauchtum und Traditionen. www.oberstdorf.de (2023)
- Allgäu GmbH: Winterbräuche im Allgäu. www.allgaeu.de (2022)
- Moser, Dietz-Rüdiger: Bräuche und Feste im christlichen Jahreslauf. Verlag Styria, 1993.
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